RTL nimmt cardplus vom Markt

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Für die Kundenbinder, CRM- und eCRM-Spezis: RTL nimmt seine “cardplus” vom Markt. Bereits Ende Januar schrieb das RTL Card Team an seine Teilnehmer:

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir das Vorteilssystem der RTL card zum 31. Januar einstellen, da wir das Angebot einer grundlegenden Überarbeitung unterziehen und in der Zwischenzeit die Leistungen der Karte nicht wie gewohnt garantieren können.

Der ausführliche Text steht nun auch auf www.RTLcardplus.de auf einer Art Baustellenseite. Nach dem Tchibo Privat Programm (“Mehr von Tchibo und nur für Sie”), das bereits zum 31. Dezember 2004 eingestellt wurde, schließt innerhalb kurzer Zeit das zweite gebührenbasierte Programm mit einem prominentem Absender.


Die Mechanik folgte dem Prinzip vom BSW Bonus & Club: der Kunde zahlt eine Teilnahmegebühr und genießt dafür mehr oder weniger attraktive Einkaufsvorteile. RTL verlangte 3,99 Euro pro Monat, Tchibo 10 Euro für ein ganzes Jahr. Während der Hamburger Kaffeeröster an seine Teilnehmer einen Saisonkatalog, das “Tchibo Privat Magazin”, mit Einkaufsgutscheinen von 0,50 bis 1 Euro verschickte, lockte RTL mit Bar-Rabatten beim Online-Kauf.
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Die Fernsehmacher bauten ihr Angebot auf Basis der Affiliate-Technik von Zanox. Mit “zanox-Club@” bieten die Berliner Spezialisten ein Produkt an, mit dem Betreiber gut besuchter Websites nicht nur Provisionen für die Vermittlung von Online-Käufen einstreichen, sondern das verdiente Geld in Teilen oder vollständig an den Käufer weitergeben können – z. B. an den Besitzer der RTL cardplus. Für eine Website in der Größenordnung von rtl.de klingt das nach einem äußerst attraktiven Geschäftsmodell.
Warum segnen nun beide Angebote das Zeitliche, wenn Bonusprogramme und Rückvergütungssysteme sich in Deutschland gerade erst im Aufbau befinden? Kann es sein, dass die Gebührenhürde den in Aussicht gestellten Vorteil verdeckte? Zumindest bei RTL liegt dieser Verdacht nahe, denn hier wurden diverse Gimmicks zusammengestellt, die alle zusammen durchaus als Versuch einer Rechtfertigung für knapp 48 Euro Jahresgebühr interpretiert werden können:
Die Kölner beglückten ihre neuen Mitglieder mit einer schicken Plastikkarte in einem ebenso schicken silbernen Umschlag. Zusätzlich gab es einen 10 Euro Gutscheincode für einen Einkauf im RTL Shop (wo auch sonst) und eine CD mit Einwahlprogramm via RTLnet (1,44 Ct./Min.), Antivirus-Programm von AntiVir und Firewall Software von Securepoint. Außerdem dabei: der RTL Screensaver und jede Menge Daddelzeugs. Oben drauf durfte der Kunde immerhin ein Abonnement aus einer Kollektion verschiedener Tomorrow-Titel wählen, z. B. die Max. Und ganz versteckt zwischen den Besichtigungen der RTL Studios, den aktuellen Job-Angeboten von RTL, den persönlichen Fotoalben und den Free SMS ging der eigentliche Vorteil der Rückvergütung fast ein wenig unter.
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Wenn nun von einer “grundlegenden Überarbeitung” gesprochen wird, dürfte der ganze Schnickschnack bald rausfliegen. Keine teure Plastikkarte mehr, die der Teilnehmer sowieso nirgendwo einsetzen kann. Keine Gimmicks auf CD in teuren Briefumschlägen. Einfach nur noch online anmelden, Kundennummer zur Identifikation abholen und Rabatte einsammeln. Oder doch ganz anders?
Eine Reaktivierung des Tchibo Privat Programms scheint auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Nicht, weil Tchibo wegen des Verkaufs von Adressen den “Big Brother Award 2004” und einen klitzekleinen Imageschaden erlitt. Nein, Tchibo läuft auch so ganz gut: der Online-Shop gehört zu den erfolgreichsten im Land, und “Jede Woche eine neue Welt” zählt immer noch zu den großen Erfolgen im deutschen Einzelhandel. Auch ohne Privat Programm.